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12. Februar 2021 - Einblicke und Interviews

Interview mit Eva Migdal


Eva Migdal ist seit 1984 in der Bewährungs- und Gerichtshilfe tätig. An einem ihrer letzten Arbeitstage zwischen dem letzten Gerichtstermin und dem allerletzten Kliententermin durften wir mit ihr ein Interview führen und einen spannenden Einblick in 36 Jahre Arbeit mit Straffälligen gewinnen.


Liebe Eva, was war Deine Motivation damals für die Bewerbung in der Bewährungshilfe?

Während meines Studiums habe ich ein fünfwöchiges Praktikum in Esslingen in der Bewährungshilfe absolviert und ziemlich schnell gemerkt: Das ist es! Ich habe mir dann eine Strategie überlegt, wie ich meinem Traumjob näher kommen könnte. So habe ich meine Kenntnisse ausgebaut, ein Praktikum in der Drogenberatung in Leonberg absolviert, eines in einer Justizvollzugsanstalt für Frauen und war schließlich für ein halbes Jahr in der Bewährungshilfe in Nürtingen.
Nach dem Studium habe in einem Männerwohnheim meinen Berufseinstieg begonnen,  aber auch eine Initiativbewerbung ans Landgericht geschickt. Neben 65 Mitbewerberinnen und Mitbewerbern konnte ich mich wirklich durchsetzen und habe die Zusage bekommen!
Ich habe dann noch einige Wochenendschichten geschoben, damit mich mein Arbeitgeber aus dem Vertrag gelassen hat und meinen Traumjob bei der Bewährungshilfe in Leonberg angetreten. 

Was hat Dir geholfen nie den Mut für Veränderung zu verlieren in so vielen Jahren?

Ich erlebe die Lebens-Geschichten von Klientinnen und Klienten als hochspannend und finde es immer klasse „wenn sich etwas tut“. Die "Memoiren" der Klientinnen und Klienten haben mich all die Jahre begeistert und ich habe versucht mir viel Hintergrundwissen anzulesen und mich fortzubilden. Ich habe zu Beginn viele Jahre schwerpunktmäßig mit Betrügerinnen und Betrügern gearbeitet. Mich hat es interessiert, wie sie es schaffen, jemanden "über den Tisch zu ziehen" und wie man sie motivieren könnte, ihre Fähigkeiten zu nutzen ohne erneut straffällig zu werden.

Dann habe ich mir eine einjährige Auszeit für eine kleine Weltreise gegönnt und wechselte 1992 nach Stuttgart-Mitte. Hier war ich zwei Jahre sozusagen in der "Zentrale" und lernte Stuttgarter Brennpunkte kennen. Nach meiner Elternzeit habe ich dann in Ludwigsburg in den Schwerpunkten Suchterkrankungen und Sexualdelikte gearbeitet. Die Kolleginnen und Kollegen und ich haben schon damals eine enge Kooperationen mit den anderen Dienststellen der Gerichtshilfe und den Justizvollzugsanstalten gepflegt, gemeinsame Fallbesprechungen organisiert.

Ich habe mich in dieser Zeit eine Weile auch nebenberuflich in der Täterarbeit engagiert und mich weiter spezialisiert. Als ich 2007 die Einrichtung wechselte und im Kreis Heilbronn tätig war, habe ich die Arbeit mit Ehrenamtlichen schätzen gelernt, sie ausgebildet und war so nach und nach für drei EA-Teams verantwortlich. Besonders viel Freude machte mir die Funktion der Spezialistin für Sexualdelikte. 2014 wurde ich dann im Zuge einer Elternzeitvertretung Abteilungsleiterin in Mosbach und wechselte dann 2016 nach Mannheim. Hier war ich bis zuletzt tätig und habe mich unter anderem in das für mich damals neue Gebiet der Gerichtshilfe aktiv eingearbeitet. 

In all den Jahren war auch die MPU* -Vorbereitung für Klienten immer ein Herzensprojekt von mir.

Um zur Frage zurückzukommen, ich habe mir immer wieder neue Themen gesucht, so dass es nie langweilig wurde. So konnte ich mich weiterentwickeln und Veränderungen meiner Klientinnen und Klienten begleiten. 

Rückblickend betrachtet kann ich behaupten, dass sich mein Arbeitsleben stets positiv veränderte, weiterentwickelte und mich dadurch motivierte auf diesem Weg zu bleiben.

Was war in all den Jahren Dein Highlight?

Die viele Abwechslung und der Austausch war ein großes Plus. Ich wurde immer unterstützt und mir wurde Vieles ermöglicht, wofür ich sehr dankbar bin. So denke ich sehr gerne an den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen in Holland zurück, an eine Fortbildung in Österreich und vieles mehr. Man hat mich Vieles ausprobieren lassen, Vertrauen in mich gehabt - auch dafür bin ich sehr dankbar.

Welchen Tipp würdest Du einer Kollegin oder einem Kollegen geben, die/ der heute bei der BGBW startet?

Neugierig sein! Bereit sein, sich einzubringen und neue Konzepte mit zu entwickeln. Neues ausprobieren und mutig sein. Und den Humor behalten!

So bleibt es spannend und man verliert sich nicht im "Alltagstrott"!

Was wirst Du nun im neuen Lebensabschnitt vermissen und worauf freust Du Dich?

Auf jeden Fall werde ich die Kolleginnen und Kollegen vermissen, den Austausch mit Ihnen und natürlich auch meine Tätigkeit. Ich habe wirklich sehr gerne gearbeitet und hatte viel Spaß an meiner Arbeit.

Ich freue mich aber auch auf etwas mehr Entspannung und meinen mittlerweile 31. Umzug. 

Ich werde dann nah bei meiner Tochter wohnen und habe ja immer schon viele Ideen und Hobbys gehabt, denen ich mich dann in Ruhe widmen werde.

Vielen Dank Eva für das Interview und Dein großes Engagement über so viele Jahre hinweg.

Wir wünschen Dir für Deinen neuen Lebensabschnitt alles Gute und viele neue tolle Erlebnisse und Projekte! 

* MPU = Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung beurteilt in Deutschland die Fahreignung des Antragstellers.

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