Unsere Kollegin Laura Schneider vertrat die Bewährungs- und Gerichtshilfe Baden-Württemberg beim 7th World Congress on Probation and Parole (WCPP 2026) in Bali, Indonesien. Neben spannenden Fachvorträgen und Workshops bot der Kongress vielfältige Möglichkeiten zum internationalen Austausch und zur Vernetzung. Mit ihrer Teilnahme trägt Laura Schneider dazu bei, die Perspektiven und Erfahrungen aus Baden-Württemberg auf internationaler Ebene einzubringen und gleichzeitig wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung unserer Arbeit mitzunehmen.
Eindrücke von der Tagung:
Der Kongress wurde an Tag 1 durch Ansprachen von den indonesischen Ministern Drs. Agus Andrianto (Immigration und Strafvollzug) und Prof. Dr. Yusril Ihza Mahendra (Recht, Menschenrechte, Immigration und Strafvollzug) eröffnet. Neben den offiziellen Beiträgen bot die Eröffnung auch kulturelle Einblicke wie traditionelle Tänze und Gesang, die von Inhaftierten aus indonesischen Haftanstalten aufgeführt wurden.
An Tag 2 und 3 fanden insgesamt über 80 verschiedene Workshops gegliedert in die Unterthemen Gesellschaft, Technologie, Politik, Belegschaft und Zusammenarbeit statt, die unterschiedliche Entwicklungen, Projekte und Perspektiven auf die Bewährungshilfe beleuchteten. In den von mir besuchten Workshops wurden unter anderem anhand einer sozialökonomischen Kosten-Nutzen-Analyse der niederländischen Bewährungshilfe aufgezeigt, dass Investitionen in diesen Bereich nicht nur gesellschaftlich sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich lohnend sind. Weitere Schwerpunkte lagen auf der Situation von Fachkräften: Beiträge zu Burnout-Prädiktoren bei Bewährungs- und Strafvollzugshelfern in den USA sowie zur Stärkung von Mitarbeitenden verdeutlichten die Bedeutung von Arbeitsbelastung, Unterstützungssystemen und Resilienzförderung. Zudem wurden internationale Entwicklungen und Praxisansätze diskutiert, darunter das japanische Hogoshi-System mit ehrenamtlichen Bewährungshelfern sowie Reformprozesse in Indonesien im Zuge der neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Ergänzend wurden praxisorientierte Ansätze vorgestellt, etwa zur Implementierung von Standards in der Bewährungshilfe, zur Anwendung des RNR-Ansatzes im Kontext gerichtlicher Sozialarbeit sowie zur Weiterentwicklung von Risikobewertungen mit dem Ziel, Rückfallquoten zu reduzieren. Im Anschluss an die Workshops am zweiten Tag, fand die „Community Volunteers Session“ statt, organisiert vom Rehabilitation Bureau des japanischen Justizministeriums unter dem Thema „Harnessing the Potential of Communities“. Thomas Marecek (Leitung Zentralbereich Kommunikation, NEUSTART Österreich) stellte hier unter anderem das österreichische Ehrenamtskonzept, welches wie bekannt auch die Grundlage unseres Ehrenamtskonzept ist, vor.
Am dritten Kongresstag fand im Anschluss an die Workshops die offizielle Abschlussveranstaltung statt. Es erfolgte zunächst ein Wrap-up durch Veronica Cunningham, Executive Director der American Probation and Parole Association und anschließend die offiziellen Schlussworte des Generaldirektors des Strafvollzugs in Indonesien. Den Abschluss bildete die Übergabe an den nächsten Gastgeber des 8. World Congress on Probation and Parole im Jahr 2028, der in Lettland stattfinden wird.
Culural Visit: Um Einblicke in das indonesische Justiz- und Vollzugssystem zu gewinnen hatten einige Teilnehmende außerdem die Möglichkeit am Freitag den 17.04. im Rahmen des organisierten cultural visits eine Haftanstalt in Bali zu besichtigen.
Laura Scheider
Zentralbereich Sozialarbeit
Bewährungs- und Gerichtshilfe Baden-Württemberg